Windeln DDR
Ein Stapel weißer Mulltücher auf der Heizung, der Wäschekessel dampft in der Küche, und im Korbwagen schläft das Kind: So sah Wickeln in der DDR aus. Wegwerfwindeln waren die große Ausnahme, gewickelt wurde mit Stoff, gewaschen wurde gekocht. Dieser Artikel erzählt, wie der Wickelalltag zwischen Wochenkrippe, Konsum und Gummihöschen wirklich funktionierte.
Warum in der DDR fast immer Stoff gewickelt wurde
Wenn du an DDR-Windeln denkst, denk nicht an bunte Verpackungen aus dem Supermarktregal. Die Wegwerfwindel, wie sie im Westen ab den 1970er Jahren zum Massenprodukt wurde, blieb im Osten eine Rarität. Zwar gab es Einmalwindeln zeitweise zu kaufen, doch sie waren teuer, oft nur unregelmäßig in der Kaufhalle, im HO- oder Konsum-Laden verfügbar und für viele Familien schlicht kein Alltagsgegenstand.
Gewickelt wurde deshalb mit Stoff. Die klassische DDR-Windel war ein quadratisches Mulltuch oder eine Molton-Windel aus Baumwolle, dazu kamen saugfähige Einlagen. Diese Tücher wurden gefaltet, um das Kind gelegt und mit einer Sicherheitsnadel oder später einem Klettverschluss fixiert. Über allem saß ein Gummihöschen, damit Bett und Kleidung trocken blieben. Baumwolle und Mull waren Materialien, die es verlässlicher gab als importierte Zellstoffprodukte, und sie ließen sich immer wieder verwenden.
Kochen, wringen, trocknen: Der Wäschekreislauf
Stoffwindeln bedeuteten Arbeit, und zwar täglich. Benutzte Tücher landeten zunächst in einem Eimer mit Wasser, danach ging es in den Wäschekessel oder die Waschmaschine, sofern eine im Haushalt stand. Windeln wurden gekocht, denn nur die hohe Temperatur galt als hygienisch sicher. Gewaschen wurde häufig mit Kernseife oder Waschpulver, gewrungen von Hand oder mit der Wringmaschine.
Wer noch keine elektrische Wäscheschleuder besaß, kannte die verzinkte Zinkwanne als festen Bestandteil des Waschtags. Anschließend wanderten die Windeln auf die Leine, festgemacht mit Wäscheklammern, im Winter über den Ofen oder auf den Heizkörper. Ein Vorrat von zwei bis drei Dutzend Tüchern war normal, denn zwischen Wickeln, Waschen und Trocknen musste immer genug Nachschub bereitliegen.
Wickeln zwischen Krippe, Beruf und Familie
Der Wickelalltag der DDR lässt sich nicht von der Krippe trennen. Weil viele Mütter früh wieder arbeiteten, kamen Kinder oft schon mit wenigen Monaten in die Kinderkrippe oder die Wochenkrippe. Auch dort wurde mit Stoff gewickelt, die Einrichtungen hatten eigene Windelvorräte und feste Wickelroutinen. Eltern brachten ihre Kinder morgens hin und holten sie abends ab, der Nachwuchs wurde tagsüber versorgt, gefüttert und frisch gewickelt.
Zu Hause gehörte die Windel zum Grundinventar rund um Säuglingspflege, Babywäsche und Kinderausstattung. Der gewickelte Säugling lag im Kinderwagen, häufig einem robusten Modell der bekannten Marke Zekiwa aus Zeitz. Wenn du dich für diese Ausstattung interessierst, findest du mehr dazu in unseren Beiträgen zum DDR-Kinderwagen und zum klassischen Korbkinderwagen.
Was von den DDR-Windeln geblieben ist
Original erhaltene DDR-Windeln sind heute schwer zu finden, denn Mulltücher waren Gebrauchsware, die benutzt wurde, bis sie durchscheinend war, und danach zu Putzlappen wurde. Genau deshalb sind es oft weniger die Tücher selbst als die Erinnerungen, die den Reiz ausmachen: der Geruch nach gekochter Wäsche, das Gummihöschen, die Sicherheitsnadel mit dem Plaste-Verschluss.
Wer heute nach dem Stichwort Windeln und DDR sucht, stößt darum eher auf Erinnerungsliteratur und Alltagsgeschichten als auf das Produkt im Wortsinn. Solche Texte fangen den Familienalltag jener Jahre ein, mit all seinen Mühen und seiner Nüchternheit, und sie sind eine der ehrlichsten Quellen, um zu verstehen, wie das Wickeln damals wirklich war.
Buch und Erinnerung zur DDR-Zeit
Passend zum Thema findest du hier Lesestoff, der den Alltag und die Frauenperspektive der DDR literarisch aufgreift:
Im Kreislauf der Windeln Frauenprosa aus der DDR
Häufige Fragen
Gab es in der DDR Wegwerfwindeln? +
Einmalwindeln existierten in der DDR, waren aber teuer und nur unregelmäßig erhältlich. Für die meisten Familien blieben waschbare Stoffwindeln aus Mull oder Molton der Standard im Wickelalltag.
Womit wurde in der DDR gewickelt? +
Gewickelt wurde überwiegend mit quadratischen Mull- oder Baumwolltüchern und saugfähigen Einlagen. Fixiert wurden sie mit Sicherheitsnadeln, darüber saß ein Gummihöschen, das die Kleidung trocken hielt.
Wie wurden DDR-Stoffwindeln gewaschen? +
Benutzte Windeln wurden eingeweicht und anschließend im Wäschekessel oder in der Waschmaschine gekocht, oft mit Kernseife oder Waschpulver. Danach wurden sie gewrungen und auf der Leine oder über dem Ofen getrocknet.
Wurden Kinder in der DDR-Krippe auch mit Stoff gewickelt? +
Ja. Kinderkrippen und Wochenkrippen wickelten die Kinder ebenfalls mit Stoffwindeln, hielten eigene Vorräte bereit und hatten feste Wickel- und Pflegeroutinen für den Tag.
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