DDR Zuckertüte
Der erste Schultag, ein steifer Zopf, ein neuer Ranzen aus Hartpappe und in den Armen eine bunte Tüte, fast so groß wie das Kind selbst: Die DDR Zuckertüte war für Generationen von Erstklässlern das Symbol dafür, dass jetzt der Ernst des Lebens beginnt, aber wenigstens süß anfängt.
Warum die Zuckertüte im Osten so besonders war
Zuckertüte, nicht Schultüte, hieß sie im gesamten Osten Deutschlands, und der Name verrät schon, worum es eigentlich ging: um das Süße, das den bevorstehenden Schulernst versüßen sollte. Der Brauch selbst ist deutlich älter als die DDR und stammt aus Sachsen und Thüringen des 19. Jahrhunderts. In der DDR aber wurde er zu einem festen, fast rituellen Bestandteil des ersten Schultags, der immer zu Beginn des Schuljahres im Spätsommer gefeiert wurde.
Die Einschulung war ein Staatsakt im Kleinen: Feierstunde in der Schulaula, die neuen Pionierfreundschaften, Fotos vor der Schule mit der Tüte im Arm. Die Zuckertüte gehörte so selbstverständlich dazu wie das weiße Hemd und das Kleid mit Schleife. Wer keine hatte, fiel auf, und deshalb bekam praktisch jedes Kind eine, egal wie knapp das Familienbudget war.
Aus Pappe, Krepp und Seidenpapier: So sah die Tüte aus
Die klassische DDR Zuckertüte war ein spitz zulaufender Kegel aus fester Pappe, außen mit buntem, glänzendem Papier beklebt und oben mit einer Manschette aus Krepppapier oder Seidenpapier verschlossen, die man mit einem Band zusammenband. Beliebte Motive waren Blumen, Tiere, Märchenfiguren und natürlich Bezüge zur Schule und zur jungen Pionierorganisation. Sandmännchen, Pittiplatsch und andere Fernsehlieblinge tauchten ebenso auf wie klassische Kinder-Illustrationen.
Fertige Tüten gab es im HO- oder Konsum-Laden und in der Kaufhalle zu kaufen, doch viele Familien bastelten sie selbst. In Zeiten, in denen manches nicht immer sofort im Regal lag, war die selbstgemachte Tüte oft die schönere Lösung: Ein Kegel aus stabiler Pappe, beklebt mit Buntpapier, verziert mit ausgeschnittenen Motiven, dazu eine Manschette aus Krepp. Diese Bastelei war Teil der Vorfreude und wurde in vielen Familien zur Tradition, die von Kind zu Kind weitergegeben wurde.
Was drin war: von Naschwerk bis Schulzeug
Ganz nach ihrem Namen steckte in der Zuckertüte vor allem Süßes. Typisch waren die Naschereien, die man aus dem DDR-Alltag kannte: bunte Lutscher, Schokolade, kleine Kekse, Gummitiere und Brausepulver. Oben schaute meist ein größeres Stück heraus, damit die Tüte prall und einladend wirkte. Wer heute die passende Naschmischung zusammenstellen will, findet in klassischen DDR Süßigkeiten die richtige Grundlage.
Doch die Tüte war nicht nur Zuckerwerk. Weil Schulanfang praktisch gedacht wurde, landete oft auch Nützliches darin: Buntstifte, ein Radiergummi, ein kleines Spielzeug, manchmal ein Taschentuchpäckchen oder ein Springseil. So verband die Zuckertüte das Versüßen mit dem sanften Hinweis, dass ab jetzt gelernt wird. Gerade in Jahren, in denen Süßwaren knapper waren, füllten viele Eltern die untere Hälfte mit Zeitungspapier oder einem zusammengeknüllten Tuch, damit der Kegel schön voll aussah, während die guten Sachen oben lagen.
Zuckertüte als Deko und Erinnerungsstück heute
Für viele, die in der DDR aufgewachsen sind, weckt schon der Anblick einer alten Zuckertüte sofort Erinnerungen an den eigenen ersten Schultag. Als Deko-Objekt macht eine originalgetreue Tüte im Regal oder an der Wand deshalb einiges her, ob als echtes Fundstück vom Flohmarkt oder als liebevoll nachgebaute Variante. Sie passt gut zu anderen Erinnerungsstücken aus der DDR-Ostalgie und lässt sich auch als besonderes Geschenk oder als Blickfang bei einer Mottoparty einsetzen.
Wer eine Tüte im Original-Stil sucht oder selbst gestaltet, sollte auf die typische Kegelform, die kräftigen Farben und die Krepp-Manschette achten, denn genau diese Merkmale machen den unverwechselbaren Charme der ostdeutschen Zuckertüte aus.
Häufige Fragen
Warum heißt die Schultüte in der DDR Zuckertüte? +
Im gesamten ostdeutschen Sprachraum ist Zuckertüte der ältere und gebräuchliche Name. Er verweist auf den Ursprung des Brauchs: Die Tüte war vor allem mit Süßigkeiten gefüllt, um den Kindern den Beginn der Schulzeit zu versüßen. Das Wort Schultüte ist stärker im Westen verbreitet.
Was kam in eine DDR Zuckertüte hinein? +
Hauptsächlich Süßigkeiten wie Lutscher, Schokolade, Kekse, Gummitiere und Brausepulver. Dazu kamen oft praktische Kleinigkeiten für den Schulanfang wie Buntstifte, ein Radiergummi, ein Springseil oder ein kleines Spielzeug. Bei knapper Ware wurde die untere Hälfte gern mit Papier ausgestopft, damit die Tüte voll aussah.
Wie sah eine typische DDR Zuckertüte aus? +
Sie war ein spitzer Kegel aus fester Pappe, außen mit buntem Glanzpapier beklebt und oben mit einer Manschette aus Krepp- oder Seidenpapier verschlossen, die mit einem Band zusammengebunden wurde. Beliebt waren Motive mit Blumen, Tieren, Märchenfiguren sowie Fernsehlieblingen wie dem Sandmännchen.
Wann wurde die Zuckertüte in der DDR überreicht? +
Am ersten Schultag zur Einschulung, die in der DDR zu Beginn des Schuljahres im Spätsommer stattfand. Die Übergabe gehörte zur Einschulungsfeier und wurde traditionell mit Fotos vor der Schule festgehalten.