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DDR Zahnputzbecher

Von Sven Aktualisiert: 29. Juli 2026 Lesezeit: 3 Min.

Ein knallgelber oder türkiser Becher aus Plaste, am Rand ein paar Zahnpastaspritzer, daneben die Familienzahnbürsten in Reih und Glied: Der DDR Zahnputzbecher war ein unscheinbarer, aber allgegenwärtiger Begleiter des Alltags. Robust, bunt und praktisch unkaputtbar prägte er Millionen von Badezimmern zwischen Rostock und Suhl.

Warum der Zahnputzbecher in fast jedem DDR-Bad stand

Der Zahnputzbecher gehörte zur Grundausstattung eines jeden Haushalts, so selbstverständlich wie die Seife am Waschbecken. Anders als in vielen Westhaushalten, wo Glas oder Keramik üblich waren, dominierte in der DDR der Becher aus Kunststoff, im Volksmund konsequent "Plaste" genannt. Das hatte praktische Gründe: Plaste war leicht, sprang beim Herunterfallen nicht in Scherben und ließ sich kostengünstig in großen Mengen produzieren. Gerade in einem Haushalt mit Kindern war ein unzerbrechlicher Becher am Waschbecken schlicht die vernünftige Wahl.

Oft stand der Becher nicht allein, sondern war Teil einer kleinen Bad-Garnitur: Becher, Seifenschale und manchmal ein passender Zahnbürstenhalter im gleichen Farbton. Wer mehrere Kinder hatte, kannte das System der Farbcodierung aus dem Effeff: Jeder bekam seine eigene Becherfarbe, damit klar war, wessen Zahnbürste wo steckte.

Plaste, Farben und Formen: das Material dahinter

Die typischen Becher wurden aus Thermoplasten wie Polyethylen und Polystyrol im Spritzgussverfahren hergestellt. Das erklärt auch die charakteristische Optik: kräftige, satte Farben wie Sonnengelb, Orange, Türkis, Grasgrün oder ein tiefes Rot, dazu häufig eine leicht glänzende bis matte Oberfläche. Viele Becher waren konisch geformt und stapelbar, andere hatten eine gerade zylindrische Wand oder eine dezente Riffelung, die das Greifen mit nassen Händen erleichterte.

Kunststoff-Alltagswaren dieser Art kamen aus volkseigenen Betrieben und wurden über den Einzelhandel von HO und Konsum vertrieben, oft in der Haushaltswarenabteilung der Kaufhalle. Manche Becher trugen auf dem Boden ein eingeprägtes Herstellerzeichen oder die Materialkennung. Ein Großteil der Ware lief unter dem Sammelbegriff der Plaste-Erzeugnisse, die den DDR-Alltag von der Küche bis ins Bad durchzogen. Wenn du dich für diese Formsprache begeisterst, findest du sie auch bei anderen DDR-Küchengeräten aus Kunststoff wieder.

Mehr als nur ein Becher: Alltag und Erinnerung

Der Zahnputzbecher ist für viele ein starker Erinnerungsanker. Er steht für das morgendliche Gedränge im gemeinsamen Familienbad, für Kinderzahnbürsten mit knalligen Griffen und für den Geruch der DDR-Zahnpasta. Weil die Becher so langlebig waren, überlebten viele von ihnen die Wende und dienten danach noch jahrelang als Stiftehalter, Pinselbecher beim Malen oder Aufbewahrung für Kleinkram in der Werkstatt.

Genau diese Unverwüstlichkeit macht sie heute zu beliebten Ostalgie-Objekten. Ein originaler Becher in kräftigem Retro-Ton passt hervorragend zu einer Einrichtung im Stil der Zeit, etwa neben einer DDR-Butterdose in der Küche oder als bewusst gesetztes Detail im nostalgisch gestalteten Bad. Als Sammlerstück ist er günstig, platzsparend und weckt bei fast jedem, der in der DDR aufgewachsen ist, sofort Erinnerungen.

Worauf du beim Kauf oder Sammeln achten solltest

Wer heute originale Becher sucht, findet sie vor allem auf Flohmärkten, in Haushaltsauflösungen und auf Sammlerbörsen. Ein paar Punkte helfen bei der Auswahl:

  • Zustand des Kunststoffs: Alter Plaste kann mit den Jahren spröde werden, ausbleichen oder feine Haarrisse bekommen. Prüfe den Rand und den Boden auf Sprünge, besonders bei Bechern, die viel Sonne abbekommen haben.
  • Farbe und Vergilbung: Helle Farben und ursprünglich weiße Becher neigen zum Vergilben. Ob dich das stört oder gerade den authentischen Charme ausmacht, ist Geschmackssache.
  • Original oder Nachbau: Achte auf typische DDR-Formen, Farbtöne und eventuelle Bodenprägungen. Neuware im Retro-Look wird ebenfalls angeboten, ist aber kein historisches Original.
  • Garnitur oder Einzelstück: Besonders reizvoll sind zusammengehörige Sets aus Becher und Seifenschale im gleichen Farbton. Vollständige Garnituren sind seltener als einzelne Becher.
  • Verwendungszweck: Willst du den Becher wirklich täglich benutzen, wähle ein gut erhaltenes, gründlich zu reinigendes Exemplar. Als reines Deko- und Sammlerstück darf er ruhig ein paar Gebrauchsspuren tragen.

Wenn du dein Bad oder deine Küche konsequent im Ost-Stil einrichten möchtest, lohnt sich ein Blick auf weiteres DDR-Haushaltszubehör, mit dem sich das nostalgische Gesamtbild abrunden lässt.

Häufige Fragen

Woraus bestand ein DDR Zahnputzbecher? +

Die meisten DDR-Zahnputzbecher wurden aus Kunststoff hergestellt, im Volksmund Plaste genannt, meist aus Thermoplasten wie Polyethylen oder Polystyrol im Spritzgussverfahren. Das machte sie leicht, unzerbrechlich und preiswert.

Welche Farben waren typisch? +

Typisch waren kräftige, satte Farben wie Gelb, Orange, Türkis, Grün und Rot. In Familien wurden oft verschiedene Becherfarben genutzt, damit jedes Familienmitglied seinen eigenen Becher und seine Zahnbürste erkennen konnte.

Wo bekomme ich heute noch einen originalen DDR Zahnputzbecher? +

Originale findest du vor allem auf Flohmärkten, bei Haushaltsauflösungen und auf Sammlerbörsen sowie über spezialisierte Ostalgie-Anbieter. Achte auf typische DDR-Formen und Farbtöne, um Originale von späteren Retro-Nachbauten zu unterscheiden.

Kann ich einen alten Becher noch täglich benutzen? +

Grundsätzlich ja, wenn er gut erhalten und gründlich zu reinigen ist. Prüfe ihn aber auf Sprünge, Haarrisse und spröde Stellen, denn sehr alter Kunststoff kann mit der Zeit brüchig werden.

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