Putzmittel DDR
Ein Spritzer grünes Fit ins Spülwasser, das kratzige Scheuerpulver Imi am Ausguss und im Waschkeller der Geruch von Spee: Wer in der DDR groß wurde, hat den Putztag in der Nase, bevor er ihn erklären kann. Die Palette an Reinigern war überschaubar, aber jedes Mittel hatte seinen festen Platz und einen Namen, den man bis heute nicht vergisst.
Womit in der DDR wirklich geputzt wurde
Das Sortiment im Drogeriewinkel der Kaufhalle oder im Konsum war kein Regalmeter voller Spezialreiniger, sondern eine Handvoll Allrounder, mit denen der ganze Haushalt auskam. Ein Spülmittel für Geschirr, ein Scheuerpulver für Töpfe und Waschbecken, ein Vollwaschmittel für die Wäsche, dazu Kernseife, Soda und Salmiakgeist als vielseitige Helfer. Gerade weil die Auswahl klein war, kannte jeder die Marken auswendig und blieb ihnen oft ein Leben lang treu.
Produziert wurde in volkseigenen Betrieben der chemischen Industrie. Die Verpackungen waren funktional gestaltet, mit klarer Typografie und oft in kräftigem Rot, Blau oder Grün, sodass man das gesuchte Mittel schon von Weitem im Regal fand. Sparsamkeit war Programm: Man dosierte knapp, füllte nach, wo es ging, und warf nichts weg, solange sich noch ein Rest herauskitzeln ließ.
Fit und Imi: Die Stars am Spülbecken
Das grüne Fit war das Handspülmittel der DDR schlechthin. Hergestellt wurde es vom VEB Fettchemie in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz. Fit gehört zu den wenigen Ostmarken, die die Wende nicht nur überlebt, sondern sich bis heute im Handel behauptet haben, was ihm einen fast legendären Ruf einbrachte.
Für alles, was das Spülmittel nicht schaffte, gab es Imi, das körnige Scheuerpulver, mit dem eingebrannte Töpfe, Emaille-Spülsteine und Kacheln bearbeitet wurden. Neben Imi stand oft Ata im Regal, ebenfalls ein Scheuermittel, das viele noch an der roten Aufmachung erkennen. Beide waren scharf genug, um jeden Belag zu lösen, und wurden entsprechend sparsam und mit etwas Kraft im Arm eingesetzt. Wer die Töpfe von damals noch besitzt, findet passendes Zubehör in unserer Übersicht zu DDR Küchengeräten.
Waschtag mit Spee und Fewa
Beim Waschen führte kein Weg an Spee vorbei, dem Vollwaschmittel aus dem VEB Waschmittelwerk Genthin. Der Name stand für "Spar-Effektiv", also sparsam und wirksam zugleich, ein Versprechen, das gut in eine Zeit der Mangelwirtschaft passte. Auch Spee ist nach der Wende erhalten geblieben und heute vielen noch ein Begriff.
Für empfindliche Textilien und Wolle nahm man Fewa, das Feinwaschmittel, das zu den frühen synthetischen Waschmitteln überhaupt zählt und ebenfalls aus Genthin stammte. Gewaschen wurde je nach Haushalt in der Waschmaschine oder ganz klassisch von Hand, oft noch in der Zinkwanne. Zum Weichmachen und für den vertrauten Duft der frisch gespülten Wäsche griff man zum DDR Weichspüler, bevor die Textilien zum Trocknen aufgehängt wurden.
Hausmittel: Soda, Kernseife und Salmiak
Nicht alles kam aus der Flasche. Ein großer Teil der DDR-Reinigung lief über bewährte Hausmittel, die billig, vielseitig und fast überall zu bekommen waren. Soda löste Fett und half beim Einweichen, Kernseife reinigte Hände, Kragen und Flecken, Salmiakgeist brachte Fenster und Böden zum Glänzen, und Essig war das Mittel gegen Kalk. Fensterleder und Zeitungspapier ersetzten teure Spezialtücher.
Dieses Wissen wurde weitergegeben und ist heute wieder gefragt, weil es günstig und ressourcenschonend ist. Wer damals mit diesen Mitteln geputzt hat, brauchte selten mehr als eine kleine Grundausstattung, um Küche, Bad und Wäsche sauber zu halten.
Warum die alten Marken bis heute Kultstatus haben
Ein Etikett von Imi oder eine alte Fit-Flasche weckt bei vielen sofort Erinnerungen an die elterliche Küche und den samstäglichen Putztag. Genau deshalb sind originale Verpackungen, Werbeschilder und ungeöffnete Restbestände heute begehrte Sammlerstücke und beliebte Deko in nostalgisch eingerichteten Küchen. Sie erzählen von einem Alltag, in dem Marken keine Wegwerfware waren, sondern feste Begleiter über Jahre hinweg.
Ob als Erinnerungsstück, als Gesprächsanlass oder als Farbtupfer im Regal: Die Putzmittel der DDR stehen für einen praktischen, sparsamen Umgang mit dem Haushalt, der heute wieder erstaunlich modern wirkt.
Häufige Fragen
Welches Spülmittel war in der DDR am bekanntesten? +
Das grüne Fit aus dem VEB Fettchemie in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) war das populärste Handspülmittel der DDR. Es gehört zu den wenigen Ostmarken, die bis heute im Handel erhältlich sind.
Was war Imi und wofür wurde es benutzt? +
Imi war ein körniges Scheuerpulver, mit dem man hartnäckige Verschmutzungen an Töpfen, Emaille-Spülsteinen, Waschbecken und Kacheln entfernte. Für dieselben Aufgaben gab es auch das Scheuermittel Ata.
Welches Waschmittel nutzte man in der DDR? +
Für die normale Wäsche war Spee aus dem VEB Waschmittelwerk Genthin das Standard-Vollwaschmittel. Für Feines und Wolle verwendete man das Feinwaschmittel Fewa aus demselben Werk. Beide Marken existieren teils bis heute.
Gibt es DDR-Putzmittel heute noch zu kaufen? +
Marken wie Fit und Spee werden weiterhin produziert und sind im Handel erhältlich. Originale DDR-Verpackungen von Imi, Ata oder Fewa sind dagegen nur noch als Sammlerstücke und Deko-Objekte zu finden.