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Naturführer DDR

Von Sven Aktualisiert: 09. August 2026 Lesezeit: 3 Min. 2 Produkte geprüft

Ein zerlesenes Bestimmungsbuch mit Grasflecken auf dem Einband, Bleistiftkreuzchen neben jeder gefundenen Pflanze und der markante Geruch von holzhaltigem DDR-Papier: Wer in der DDR die Natur erkunden wollte, hatte fast immer einen dieser handlichen Führer im Rucksack. Sie waren wissenschaftlich präzise, robust gebunden und trotzdem für jeden Schüler bezahlbar.

Warum Naturführer in der DDR so verbreitet waren

Naturkunde hatte in der DDR einen hohen Stellenwert, sowohl im Schulunterricht als auch in der Freizeit. Wandern, Pilzesammeln, botanische Exkursionen und die Beobachtung heimischer Vögel waren Volkssport, und die Verlage lieferten das passende Handwerkszeug dazu. Bestimmungsbücher galten nicht als Luxus, sondern als praktisches Alltagswerkzeug, das man sich leisten konnte. Weil Auslandsreisen für die meisten unerreichbar blieben, richtete sich der Blick umso genauer auf die eigene Umgebung: den Thüringer Wald, die Mecklenburgische Seenplatte, die Sächsische Schweiz oder den Harz.

Charakteristisch für diese Führer war ihr Anspruch, fachlich korrekt und zugleich für Laien nutzbar zu sein. Viele wurden von promovierten Biologen verfasst, blieben aber im Preis so kalkuliert, dass Schulklassen sie geschlossen anschaffen konnten. Diese Mischung aus wissenschaftlicher Genauigkeit und Massenverfügbarkeit ist bis heute der Grund, warum die Bücher als antiquarische Sammlerstücke gesucht werden.

Die großen DDR-Verlage für Naturliteratur

Hinter den Klassikern stehen einige feste Namen. Der Urania-Verlag in Leipzig, Jena und Berlin war die zentrale Adresse für populärwissenschaftliche Naturbücher. Reihen wie das mehrbändige Standardwerk zu Tier- und Pflanzenreich prägten ganze Bücherregale. Der Verlag Volk und Wissen versorgte die Schulen, unter anderem mit Werner Rothmalers berühmter Exkursionsflora, die zum unverzichtbaren Bestimmungsbuch für Gefäßpflanzen wurde und in mehreren Bänden erschien.

Für die Tierwelt war die Neue Brehm-Bücherei aus dem A. Ziemsen Verlag in Wittenberg Lutherstadt maßgeblich, eine Heftreihe, die einzelne Arten und Artengruppen in großer Tiefe behandelte. Der Neumann Verlag in Radebeul steuerte hochwertige naturkundliche Titel und Wanderführer bei. Diese Verlage arbeiteten mit staatlicher Papierzuteilung, was oft hohe Auflagen, aber auch das typische, leicht vergilbende Papier bedeutete. Wer sich für weitere Lehr- und Sachbücher jener Zeit interessiert, findet in der DDR-Schulliteratur viele verwandte Titel.

Vom Feldführer bis zum Zooratgeber

Die Bandbreite war groß. Neben den botanischen Floren gab es Pilzführer, Vogelbestimmungsbücher, Ratgeber für Mineralien und Gesteine sowie Wander- und Ausflugsliteratur. Eine eigene Gattung bildeten die Führer für Tiergärten, Zoos, Aquarien und Wildgehege: Sie listeten die Tierbestände auf, erklärten Öffnungszeiten und lieferten kurze Steckbriefe zu den Arten. Der Tierpark Berlin-Friedrichsfelde, der Leipziger Zoo und der Dresdner Zoo gehörten zu den beliebtesten Ausflugszielen, und ein solcher Führer war das ideale Andenken.

Kleinformatige Bände passten in jede Jackentasche und waren auf Exkursionen unschlagbar praktisch. Diese kompakte Bauform teilten sie mit den beliebten Minibüchern der DDR. Wer heute systematisch bestimmen will, greift oft zusätzlich zu einem Typenkompass, dessen Prinzip der übersichtlichen Bestimmungstafeln den alten Naturführern sehr nahekommt.

Naturführer im Vergleich

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Worauf du beim Kauf achten solltest

Alte Naturführer kauft man fast immer antiquarisch, deshalb lohnt ein genauer Blick. Achte auf diese Punkte:

  • Vollständigkeit: Bestimmungsbücher leben von ihren Tafeln und Schlüsseln. Prüfe, ob Falttafeln, Karten und Abbildungsseiten fehlen oder herausgetrennt wurden.
  • Auflage und Band: Gerade bei mehrbändigen Werken wie der Exkursionsflora solltest du wissen, welchen Band und welche Auflage du bekommst. Spätere Auflagen enthalten oft aktualisierte Nomenklatur.
  • Zustand des Papiers: Das holzhaltige DDR-Papier vergilbt und wird brüchig. Stockflecken und Feuchtigkeitsränder sind häufig, ein muffiger Geruch deutet auf feuchte Lagerung hin.
  • Einband und Bindung: Kontrolliere, ob der Buchrücken noch fest sitzt und keine Lagen lose sind. Gebrauchsspuren gehören dazu, ein zerfallender Block nicht.
  • Handschriftliche Einträge: Für manche Sammler mindern Bleistiftnotizen den Wert, für andere machen sie gerade den Charme aus. Entscheide, was dir wichtiger ist.

Als reine Sammlerstücke sind auch stärker gebrauchte Exemplare reizvoll. Willst du damit aber wirklich in der Natur bestimmen, lohnt sich ein sauberes, vollständiges Exemplar mit lesbaren Tafeln.

Häufige Fragen

Welches war das wichtigste Pflanzen-Bestimmungsbuch der DDR? +

Als Standardwerk gilt die von Werner Rothmaler herausgegebene Exkursionsflora, erschienen im Verlag Volk und Wissen. Sie erschien in mehreren Bänden, unter anderem für Gefäßpflanzen, und wurde an Schulen und Universitäten flächendeckend genutzt.

Welche Verlage haben in der DDR Naturführer herausgegeben? +

Die wichtigsten waren der Urania-Verlag in Leipzig, Jena und Berlin für populärwissenschaftliche Werke, Volk und Wissen für Schulliteratur, der A. Ziemsen Verlag in Wittenberg mit der Neuen Brehm-Bücherei sowie der Neumann Verlag in Radebeul.

Kann man alte DDR-Naturführer heute noch zum Bestimmen nutzen? +

Ja, für die heimische Flora und Fauna sind sie weiterhin brauchbar, da sich viele Arten nicht geändert haben. Beachten solltest du, dass wissenschaftliche Namen und Systematik teils überarbeitet wurden, weshalb einige Bezeichnungen von aktuellen Werken abweichen.

Waron sind DDR-Zoo- und Tierparkführer gesucht? +

Sie dokumentieren den historischen Tierbestand und die Gestaltung von Einrichtungen wie dem Tierpark Berlin-Friedrichsfelde oder dem Leipziger Zoo. Für Ostalgie-Sammler und zoohistorisch Interessierte sind sie ein anschauliches Zeitdokument.

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