DDR Wörterbuch
Broiler, Kaufhalle, Sättigungsbeilage, Nickibluse: Wer im Osten aufgewachsen ist, hat diese Wörter selbstverständlich benutzt und trotzdem verschwanden viele davon fast über Nacht aus dem Alltag. Ein DDR Wörterbuch hält diesen eigenen Sprachkosmos fest, erklärt Herkunft und Bedeutung und macht nebenbei sichtbar, wie sehr Planwirtschaft, Alltag und Ideologie in die Sprache eingesickert waren.
Warum die DDR ihre eigene Sprache hatte
Vierzig Jahre Teilung haben nicht nur zwei Staaten geformt, sondern auch zwei Wortschätze. In der DDR entstand ein eigenes Deutsch, das sich vom Westdeutschen in Hunderten von Begriffen unterschied. Manche Wörter waren offizielle Schöpfungen der Behörden und Betriebe, andere wuchsen im Alltag: an der Ladentheke, auf dem Fußballplatz, in der Datsche. Ein DDR Wörterbuch sammelt genau diese Ausdrücke und zeigt, dass Sprache nie neutral ist, sondern immer die Verhältnisse spiegelt, in denen sie gesprochen wird.
Grob lassen sich drei Quellen unterscheiden. Erstens das Vokabular der Planwirtschaft und Verwaltung: Kombinat, Feierabendheim, Broiler, Kaufhalle, Sättigungsbeilage. Zweitens die ideologisch gefärbte Sprache von Partei und Presse: Aktivist, Neuerer, Diversant, Errungenschaft. Und drittens der lockere Alltagsjargon, in dem sich Humor und Findigkeit ausdrückten. Gerade die letzte Gruppe hält viele Begriffe bereit, über die heute noch geschmunzelt wird.
Kultige Begriffe und was sie bedeuten
Ein paar Klassiker gehören in jedes DDR Wörterbuch. Der Broiler war das Brathähnchen, der Begriff stammt vom englischen "to broil" und kam über den Handel in die DDR-Gastronomie. Die Kaufhalle bezeichnete den Supermarkt, während man im Westen "Supermarkt" sagte. Als Sättigungsbeilage firmierten Kartoffeln, Nudeln oder Reis auf Speisekarten, ein Wort aus dem Gaststättenwesen, das den bürokratischen Charme der Zeit perfekt einfängt.
Dazu kommen Textilbegriffe wie die Nickibluse aus Nicki-Stoff, die Dederonschürze aus dem DDR-Kunstfaserstoff Dederon oder ganz allgemein Plaste statt Plastik. Kinder trugen im Sport einen Turnbeutel und ihre Sachen im Ranzen, wer mobil sein wollte, fuhr Simson oder eine Schwalbe zur Datsche, dem Wochenendgrundstück. Viele dieser Wörter tauchen nicht zufällig auch im Titel bekannter Sammlungen auf, etwa "Mit der Schwalbe zur Datsche".
Wer sich für den Alltag hinter den Wörtern interessiert, findet die passenden Gegenstände oft noch: von der klassischen DDR Butterdose über den Einkaufsbeutel für die Kaufhalle bis zum Multiboy, dem Küchenhelfer, dessen Name selbst schon ein kleines Stück DDR-Wortgeschichte ist.
Sprache als Spiegel von Handel und Alltag
Besonders spannend wird ein DDR Wörterbuch dort, wo Sprache und Versorgung aufeinandertreffen. Der Einzelhandel lief über HO (Handelsorganisation) und die Konsum-Genossenschaften, produziert wurde im VEB (Volkseigener Betrieb), zusammengefasst in großen Kombinaten. Begehrte Westware gab es im Intershop gegen Devisen oder Forumschecks, günstigere Ausschussware manchmal als "II. Wahl". Wer etwas nicht bekam, kannte den Ausdruck "hamstern" und die berühmten "Bückwaren", die unter der Ladentheke lagen.
Auch Marken wurden zu Gattungsbegriffen. Kahla stand für Porzellan, Zeiss für Optik, und der Name des Kinderwagenherstellers Zekiwa war fast ein Synonym für den Kinderwagen selbst. Solche Wörter erzählen mehr über die DDR-Wirtschaft als manches Lehrbuch, weil sie zeigen, welche Betriebe den Alltag prägten. Wer diese Verbindung mag, wird auch beim Blättern in DDR Schulbüchern fündig, in denen sich der offizielle Sprachgebrauch der Zeit besonders klar niederschlägt.
Die Auswahl im Vergleich
Vom nüchternen Nachschlagewerk bis zum unterhaltsamen Erinnerungsbuch reicht die Bandbreite. Manche Titel sind eher lexikalisch aufgebaut und ordnen den Wortschatz sachlich nach Stichwörtern, andere erzählen entlang der Begriffe kleine Alltagsgeschichten. Dazu kommen spielerische Formate wie Quizkarten und Rätselbücher, die dasselbe Vokabular in Frage-Antwort-Form verpacken und sich gut zum gemeinsamen Erinnern eignen.
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Worauf du beim Kauf achten solltest
Überleg dir zuerst, was du willst: ein echtes Nachschlagewerk zum gezielten Suchen oder ein Lesebuch zum Schmökern. Für den ersten Zweck sind alphabetisch sortierte Wörterbücher mit klaren Stichwörtern und kurzen Erklärungen praktisch, für den zweiten eher erzählende Titel mit Anekdoten und Kontext. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis oder in die Leseprobe verrät schnell, welcher Typ vor dir liegt.
Achte außerdem auf den Umfang und die Herangehensweise. Sprachwissenschaftlich orientierte Bände erklären Herkunft und Wandel der Wörter genauer, während populäre Sammlungen stärker auf Wiedererkennung und Humor setzen. Als Geschenk für ehemalige DDR-Bürger passen oft die unterhaltsamen Ausgaben, für Studium oder ernsthafte Recherche eher die systematischen. Wenn du gemeinsames Rätseln magst, ergänzen Quizkarten oder ein Rätselbuch die klassischen Wörterbücher gut. Für weiteres Stöbern in derselben Ecke lohnt ein Blick auf DDR Krimis, in denen die Alltagssprache lebendig mitschwingt.
Häufige Fragen
Was ist ein Broiler in der DDR-Sprache? +
Broiler war das DDR-Wort für Brathähnchen, meist als Grillhähnchen aus der Gaststätte oder vom Imbiss. Der Begriff geht auf das englische "to broil" (grillen, braten) zurück und war im Westen unüblich, wo man von Hähnchen oder Brathendl sprach.
Warum sagte man in der DDR Kaufhalle statt Supermarkt? +
Kaufhalle war die offizielle DDR-Bezeichnung für ein Selbstbedienungsgeschäft mit Lebensmitteln, betrieben meist von HO oder Konsum. Das Wort setzte sich im amtlichen und alltäglichen Sprachgebrauch durch, während im Westen der Begriff Supermarkt gebräuchlich wurde.
Welche Wörter aus der DDR benutzt man heute noch? +
Einige DDR-Begriffe haben sich gehalten oder sind wieder populär, darunter Broiler, Datsche, Plaste und Ampelmännchen. Sie gelten heute als ostdeutsches Kulturgut und tauchen bewusst in Werbung, Gastronomie und Alltag ostdeutscher Regionen wieder auf.
Für wen lohnt sich ein DDR Wörterbuch? +
Ein DDR Wörterbuch eignet sich für ehemalige DDR-Bürger zum Erinnern, für jüngere Leser zum Verstehen alter Begriffe und für Sprachinteressierte, die den Wortschatz der Planwirtschaft nachvollziehen möchten. Auch als Geschenk mit Wiedererkennungswert ist es beliebt.
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